Ein Sprachmodell wie ChatGPT liefert den ersten Entwurf einer Gefährdungsbeurteilung in Minuten: Gliederung nach Gefährdungsklassen, einschlägige Paragrafen und einen ersten Satz möglicher Schutzmaßnahmen für den beschriebenen Betrieb. Prüfungssicher gegenüber der Berufsgenossenschaft ist dieser Entwurf erst, wenn er mit einer Begehung der tatsächlichen Arbeitsplätze abgeglichen, an den konkreten Betrieb angepasst und von einer bestellten Fachkraft für Arbeitssicherheit freigegeben wurde. Dieser Beitrag zeigt, wie ein guter Prompt aussieht, welche fünf Prüfschritte folgen und was KI bei der GBU strukturell nicht leisten kann.
Der Beitrag ist eine Detailseite zu KI im Arbeitsschutz, der die allgemeine Nutzung von Sprachmodellen im Betrieb beschreibt.
Was die Berufsgenossenschaft bei der GBU prüft
Die Berufsgenossenschaft prüft bei Begehungen nicht, ob ein Dokument formal vollständig aussieht. Sie prüft, ob die Gefährdungsbeurteilung den konkreten Betrieb beschreibt: die tatsächlichen Tätigkeiten, die tatsächlichen Räume, die tatsächlich eingesetzten Arbeitsmittel. Ein gut formatierter generischer KI-Text, der nur „Bürobetrieb mit Bildschirmarbeitsplätzen" als Kontext hat, besteht diesen Abgleich regelmäßig nicht.
Die Gefährdungsbeurteilung ist nach § 5 ArbSchG die vom Arbeitgeber vorzunehmende systematische Ermittlung und Bewertung aller arbeitsbedingten Gefährdungen an einem Arbeitsplatz mit dem Ziel, geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Sie ist Pflicht ab dem ersten Beschäftigten. Schriftlich dokumentiert werden muss sie nach § 6 ArbSchG, sobald mehr als zehn Beschäftigte im Betrieb tätig sind.
Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaft haben nach § 18 ArbSchG das Recht, Betriebsräume zu betreten und Unterlagen einzusehen. Wer bei einer Begehung keine GBU vorlegen kann, riskiert eine schriftliche Mängelanordnung. Wer eine generische Vorlage ohne erkennbaren Betriebsbezug vorlegt, riskiert dieselbe Konsequenz.
| Prüfpunkt | Was erwartet wird | Typischer Fehler bei KI-Entwürfen |
|---|---|---|
| Betriebsbezug | GBU beschreibt konkrete Tätigkeiten und Räume | Nur Standardklassen ohne betrieblichen Kontext |
| Aktualität | Datum nach letzter wesentlicher Änderung | Kein Datum oder veraltetes Erstellungsdatum |
| Maßnahmen | Konkrete Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen | Allgemeine Empfehlungen ohne Zuordnung |
| Dokumentation | Schriftlich nach § 6 ArbSchG, Freigabe nachweisbar | Kein Nachweis der Freigabe durch Fachkraft |
| Wirksamkeitskontrolle | Nachweis, dass Maßnahmen umgesetzt und geprüft wurden | Fehlt in fast jedem KI-Entwurf |
Bei mehreren Standorten ist für jeden Standort eine eigene GBU oder zumindest eine standortbezogene Ergänzung erforderlich. Ein generisch erstellter Entwurf deckt das nicht ab.
Der Prompt: Wie ein KI-Entwurf nah am Betrieb entsteht
Die Qualität des KI-Entwurfs hängt direkt vom Prompt ab. Vier Angaben sind Pflicht, damit das Modell einen betriebsbezogenen Entwurf liefert: Betriebsart und Branche, Beschäftigtenzahl, eine Liste der Haupttätigkeiten und die ausdrückliche Bitte um Paragrafenangaben nach ArbSchG, ArbStättV und den einschlägigen DGUV-Regeln.
Ein schwacher Prompt liefert einen generischen Entwurf ohne Praxiswert:
„Erstelle eine Gefährdungsbeurteilung für ein Büro."
Ein verwendbarer Prompt beginnt mit dem konkreten Betrieb:
„Erstelle eine Gefährdungsbeurteilung für eine Steuerkanzlei mit 18 Beschäftigten, zwei Etagen Bürofläche, einem Empfangsbereich, Archivraum und zwei Besprechungsräumen. Haupttätigkeiten: Bildschirmarbeit, Mandantengespräche und Archivarbeit. Nenne für jeden Gefährdungsbereich die einschlägigen Paragrafen aus ArbSchG, ArbStättV und den DGUV-Regeln und ordne jeweils konkrete Schutzmaßnahmen zu."
Den resultierenden Entwurf sofort auf drei Punkte prüfen: Sind die genannten Paragrafen real und aktuell? Fehlen Tätigkeiten, die der Betrieb tatsächlich hat? Enthält der Entwurf Gefährdungsklassen, die im Betrieb nicht vorkommen, etwa Umgang mit Gefahrstoffen in einem reinen Bürobetrieb?
Was Sprachmodelle bei der GBU verlässlich leisten:
- Gliederung nach Gefährdungsklassen (physikalisch, ergonomisch, psychisch, Brand, elektrisch, biologisch)
- Formulierungen, die Paragrafenlogik abbilden und zitierfähig sind
- Checklisten für eine strukturierte Begehung
- Maßnahmenvorschläge aus Standard-Regelwerken
Was Sprachmodelle bei der GBU nicht leisten:
- Lärmmessungen, Beleuchtungsmessungen und Raumtemperaturwerte erfassen
- Beurteilen, ob ein Fluchtweg tatsächlich frei und breit genug ist
- Psychische Belastungen aus dem konkreten Betriebsalltag einschätzen
- Bestätigen, dass elektrische Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3 geprüft wurden
Fünf Prüfschritte nach dem KI-Entwurf
Zwischen dem KI-Entwurf und einer rechtssicheren Gefährdungsbeurteilung liegen mindestens fünf Schritte. Wer sie überspringt, hat einen Text, aber keine GBU im Sinne des § 5 ArbSchG.
- Plausibilitätsprüfung. Jeden genannten Paragrafen auf gesetze-im-internet.de nachschlagen und prüfen, ob er zur Betriebsart passt. Sprachmodelle erfinden gelegentlich Vorschriften oder zitieren veraltete Fassungen. Dieser Schritt kostet zehn Minuten und verhindert den gravierendsten Fehler: eine GBU, die Vorschriften zitiert, die es nicht gibt.
- Begehung. Den angepassten Entwurf Raum für Raum mit den tatsächlichen Arbeitsplätzen abgleichen. Zu prüfen sind: Bildschirmarbeitsplätze nach ASR A3.5 und ASR A3.4, Flucht- und Rettungswege nach ASR A2.3, Erste-Hilfe-Ausstattung nach DGUV Vorschrift 1 und der Stand der letzten DGUV V3-Prüfung. Jede Gefährdung, die im Entwurf fehlt, eintragen. Jede Gefährdung, die nicht vorkommt, streichen.
- Messungen. Beleuchtungsstärke (nach ASR A3.4 mindestens 500 Lux an Bildschirmarbeitsplätzen) und Raumtemperatur (nach ASR A3.5 maximal 26 Grad bei Außentemperaturen über 26 Grad) lassen sich mit einfachen Messgeräten erfassen. Ohne Messwerte bleibt die Beurteilung physikalischer Gefährdungen eine Schätzung ohne Nachweiskraft.
- Prüfung durch die Fachkraft. Die bestellte Fachkraft für Arbeitssicherheit prüft den überarbeiteten Entwurf, ergänzt aus ihrer sicherheitstechnischen Fachkunde nach § 7 ASiG und gibt ihn schriftlich frei. Ohne diese Freigabe fehlt der Nachweis der fachlichen Prüfung.
- Dokumentation nach § 6 ArbSchG. Die fertige GBU wird datiert, von der Geschäftsführung oder einer beauftragten Person unterschrieben und so aufbewahrt, dass sie bei Begehungen sofort vorgelegt werden kann. Digital ist erlaubt, solange der Zeitpunkt der Freigabe nachweisbar ist.
Wer alle fünf Schritte durchläuft, hat am Ende eine GBU, die den Betrieb tatsächlich beschreibt, fachlich geprüft und schriftlich dokumentiert ist. Das ist keine Frage des Aufwands, sondern der Reihenfolge: erst KI-Entwurf, dann Begehung und Messungen, dann Fachkraft, dann schriftliche Fixierung. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf, und kein Schritt kann den vorherigen ersetzen.
Das Checkliste-Tool für Arbeitssicherheit im Büro hilft, die Bereiche einer Büro-GBU vollständig zu erfassen und keinen Prüfpunkt zu übersehen.
Was KI bei der GBU nicht ersetzen kann
Ein Sprachmodell hat keinen Körper, keine Sinne und keine Haftung. Diese drei Faktoren begrenzen seinen Einsatz bei der GBU auf Entwurfs- und Formulierungsarbeit.
Ortskenntnis ist nicht substituierbar. Eine Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG muss die Arbeitsbedingungen des konkreten Betriebs beurteilen, nicht die typischer Bürobetriebe. Ob ein Fluchtweg im dritten Stockwerk tatsächlich breit genug ist und nicht durch Kartons versperrt wird, ob ein Archivraum ausreichend belüftet ist und ob die Bildschirme nach DIN EN ISO 9241-303 aufgestellt sind, sieht nur jemand, der dort war.
Fachkunde ist nicht substituierbar. Die Beurteilung, ob eine Maßnahme nach dem Stand der Technik ausreicht, setzt die sicherheitstechnische Fachkunde nach § 7 ASiG voraus. Ein Sprachmodell kann plausible Formulierungen liefern, aber nicht beurteilen, ob die beschriebene Maßnahme in diesem konkreten Betrieb wirksam ist.
Verantwortung ist nicht substituierbar. Die Haftung für die GBU liegt nach § 5 ArbSchG beim Arbeitgeber. Nach § 13 ArbSchG kann er Pflichten auf zuverlässige und fachkundige Personen übertragen, nicht auf eine Software. Ein Fehler im KI-Entwurf, der ungeprüft übernommen wurde, ist rechtlich ein Fehler des Betriebs.
KI-Kompetenz als gesetzliche Pflicht. Die EU-KI-Verordnung verlangt in Art. 4 seit dem 2. Februar 2025 von Betreibern von KI-Systemen Maßnahmen für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals. Wer KI für die Gefährdungsbeurteilung einsetzt, sollte intern festlegen, wer sie wofür nutzt und wie Ergebnisse systematisch geprüft werden.
Prüfungssichere GBU mit Safety Club
Safety Club stellt die externe Fachkraft für Arbeitssicherheit, die die Gefährdungsbeurteilung vor Ort erstellt, prüft, in die betriebsspezifische Dokumentation einbettet und nach jeder sicherheitstechnischen Begehung aktuell hält. KI-Tools können den Vorlauf beschleunigen und die Begehungsvorbereitung strukturieren, die Bestellung und Fachkunde der Fachkraft ersetzen sie nicht. 300+ begleitete Firmen im Partner-Netzwerk.
Vom Erstkontakt bis zur Unterschrift: maximal fünf Werktage. Start der Betreuung vor Ort: innerhalb von zehn Werktagen.




