Praxis

VBG-Fragebogen: welche es gibt, welche ein Büro braucht

VBG-Fragebogen: welche es gibt, welche ein Büro braucht

Ein VBG-Fragebogen ist in den meisten Fällen der FGBU, der Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, den die VBG ihren Mitgliedern kostenlos im Online-Tool anbietet. Daneben gibt es den Workshop KiT für kleine Betriebe, den Unterweisungsfragebogen FB 6 Bürobereich und ZeBRA für Zeitarbeit. Ein Büro braucht keinen davon zwingend, aber ein dokumentiertes Ergebnis.

Wer einen Fragebogen sucht, weil gerade ein Brief von der Berufsgenossenschaft auf dem Tisch liegt, findet dort die fünf Schritte für eine fristgerechte Antwort. Hier geht es um die Fragebögen, die auf vbg.de tatsächlich bereitstehen.

Welche Fragebögen die VBG anbietet

Die VBG stellt vier Instrumente bereit, die in Büro- und Verwaltungsbetrieben eine Rolle spielen: den FGBU zur psychischen Belastung, den Workshop Kurzanalyse im Team (KiT), die Unterweisungsfragebögen FB 0 bis FB 33 und den Zeitarbeits-Fragebogen ZeBRA. Nur zwei davon betreffen die Gefährdungsbeurteilung, einer die Unterweisung, einer ausschließlich Zeitarbeitsunternehmen.

Fragebögen und Verfahren der VBG im Überblick
InstrumentZweckFür wenForm
FGBUGefährdungsbeurteilung psychischer BelastungVBG-Mitglieder, empfohlen ab 51 BeschäftigtenOnline-Tool oder Papier, kostenlos
KiT (Kurzanalyse im Team)Gefährdungsbeurteilung psychischer BelastungUnternehmen bis 50 BeschäftigteModerierter Workshop, 6 bis 12 Personen
FB 6 BürobereichWissenscheck zur UnterweisungBeschäftigte im Büro, ursprünglich Zeitarbeit20 Fragen, ausfüllbares PDF
ZeBRAPsychische Belastung aus dem ÜberlassungsprozessZeitarbeitsunternehmen35 Fragen in 12 Handlungsfeldern

Kein Fragebogen der VBG ersetzt die Gefährdungsbeurteilung selbst. Die Gefährdungsbeurteilung ist die nach § 5 ArbSchG vorgeschriebene Ermittlung und Bewertung aller Gefährdungen an den Arbeitsplätzen eines Betriebs, und ein Fragebogen ist nur eines von mehreren Werkzeugen, um einen Teil davon zu erheben. Wie das Gesamtwerk aufgebaut ist, steht in Gefährdungsbeurteilung für den Büroarbeitsplatz.

Der FGBU: Fragebogen zur psychischen Belastung

Der FGBU ist der Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung der VBG. Er deckt die Gestaltungsmerkmale der GDA-Empfehlung vollständig ab, fragt zusätzlich Umgebungsfaktoren ab und wird über ein kostenloses Online-Tool verteilt und ausgewertet. Die VBG empfiehlt ihn Unternehmen ab 51 Beschäftigten, bei denen Workshops für alle Tätigkeiten zu aufwendig wären.

Der FGBU fragt die Merkmalsbereiche ab, die auch die GDA-Leitlinie nennt: Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen und Arbeitsumgebung, ergänzt um soziale und emotionale Anforderungen. Die Beschäftigten bewerten Aussagen auf einer fünfstufigen Skala von „trifft gar nicht zu“ bis „trifft völlig zu“. Was die einzelnen Bereiche im Büro bedeuten, erklärt der Beitrag zur psychischen Belastung in der Gefährdungsbeurteilung.

Das Online-Tool der VBG bietet dabei mehr als den reinen Fragebogen:

  • Eigene Fragen: Bis zu zehn betriebsspezifische Fragen lassen sich ergänzen.
  • Homeoffice-Modul: Ein optionales Modul mit acht Aussagen erfasst die Belastung beim Arbeiten von zu Hause.
  • Alternative Prüfliste: Statt des FGBU kann die kürzere Prüfliste der Unfallversicherung Bund und Bahn gewählt werden, die laut VBG weniger spezifisch ist.
  • Auswertung und Export: Das Tool verschickt passwortgeschützte Befragungslinks, zeigt die Ergebnisse anonymisiert in farbigen Skalen und exportiert sie als Excel oder PDF, auf Wunsch verknüpft mit der VBG-Software GEDOKU.
  • Wiederholung: Dieselbe Befragung lässt sich später wiederholen, um Veränderungen sichtbar zu machen.

Eine feste Mindestzahl an Antworten nennt die VBG auf der Seite des Online-Tools nicht. Praktisch gilt: Eine Gruppe, deren Auswertung Rückschlüsse auf einzelne Personen zulässt, wird nicht getrennt ausgewiesen. Eine Abteilung mit vier Personen einzeln auszuwerten, stellt keine Anonymität her.

Kleine Büros: KiT-Workshop statt Fragebogen

Die Kurzanalyse im Team (KiT) ist das Workshop-Verfahren der VBG zur Beurteilung psychischer Belastung und richtet sich an Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten. Sechs bis zwölf Beschäftigte mit derselben Tätigkeit analysieren unter Moderation ihre Belastungen und schlagen gleich Maßnahmen vor. Einen Fragebogen gibt es dabei nicht.

KiT vs. FGBU ist im Kern eine Frage der Gruppengröße. Ein Fragebogen liefert in einem Team von zehn Personen kaum anonyme Ergebnisse, ein Workshop dagegen liefert dort Erklärungen und Lösungsvorschläge, die eine Befragung nie hergibt. Die VBG unterstützt auf zwei Wegen: Eine Arbeitspsychologin oder ein Arbeitspsychologe der VBG bereitet die Kurzanalyse vor, moderiert sie und bereitet sie nach, oder eigene Beschäftigte lernen die Moderation in einem dreitägigen VBG-Seminar.

Kleine Betriebe im Unternehmermodell der VBG erledigen die Gefährdungsbeurteilung zusätzlich über das Portal DIAdrei, das für Unternehmen bis 50 Beschäftigte gedacht ist. Wie das Modell funktioniert, steht in Unternehmermodell: Arbeitssicherheit nach DGUV Vorschrift 2.

FB 6 Bürobereich: der Wissenscheck zur Unterweisung

Der Fragebogen FB 6 „Bürobereich“ ist ein Unterweisungsfragebogen der VBG mit 20 Fragen zu Fluchtwegen, Leitern, Bildschirmarbeit, Beleuchtung, Sitzen, Elektrogeräten, Stolperunfällen und Erster Hilfe. Er gehört zu einer Reihe von 39 Fragebögen, die für die Unterweisung von Zeitarbeitskräften entwickelt wurden, passt inhaltlich aber zu jedem Büro.

Die aktuelle Fassung ist Version 2.2 mit Stand 05/2022. Zu einer Frage können mehrere Antworten richtig sein, und am Ende stehen Felder für die Unterschriften von Beschäftigten und Unterweisenden sowie der Vermerk, ob eine mündliche Nachunterweisung erfolgt ist. Daneben gibt es den FB 0 „Allgemeine Themen“ als Unterstützung zur Grundunterweisung, einige Fragebögen auch in einfacher Sprache. Die VBG stellt die Fragebögen als ausfüllbares PDF bereit; das frühere Programm zum Offline-Download gibt es nicht mehr.

Wichtig für die Einordnung: Die VBG schreibt selbst, dass die Fragebögen das persönliche Unterweisungsgespräch nicht ersetzen. Unterweisung vs. Wissenscheck ist eine klare Trennung: Die Unterweisung nach § 12 ArbSchG ist die Pflicht, der FB 6 prüft, ob sie angekommen ist. Unterweisungen sind nach § 4 Abs. 1 DGUV Vorschrift 1 mindestens einmal jährlich zu wiederholen und zu dokumentieren. Wann die nächste fällig ist, rechnet der Unterweisungs-Fristenrechner aus, die Themen stehen in Unterweisung im Büro: wie oft und welche Themen?.

ZeBRA: nur für Zeitarbeitsunternehmen

ZeBRA ist der Zeitarbeits-Fragebogen der VBG zu psychischer Belastung und Ressourcen im Arbeitnehmerüberlassungsprozess. Er erfasst Belastungen, die nicht aus der Tätigkeit im Kundenbetrieb stammen, sondern aus der Überlassung selbst, etwa wechselnde Einsätze. Die Version 2.0 umfasst 35 Fragen in zwölf Handlungsfeldern und richtet sich an Zeitarbeitsunternehmen.

Für ein Büro, das Zeitarbeitskräfte einsetzt, ist ZeBRA nicht das richtige Werkzeug. Der Entleiher beurteilt die Belastung aus der Tätigkeit in seinem Betrieb, der Verleiher mit ZeBRA die Belastung aus dem Überlassungsprozess. Die Unterweisung am Arbeitsplatz liegt nach § 12 Abs. 2 ArbSchG beim Entleiher, und genau dafür sind die Fragebögen FB 0 bis FB 33 gedacht.

Welcher Fragebogen zu Ihrem Büro passt

Die Wahl hängt vor allem an der Zahl der Beschäftigten je Tätigkeitsgruppe. Bis 50 Beschäftigte ist der KiT-Workshop meist der bessere Weg, ab 51 Beschäftigten der FGBU im Online-Tool. Für die Unterweisung passt in jedem Büro der FB 6 als Wissenscheck. ZeBRA brauchen nur Zeitarbeitsunternehmen.

Passende VBG-Instrumente nach Betriebsgröße
BüroPsychische BelastungUnterweisungDokumentation
12 Beschäftigte, eine Tätigkeitsgruppe1 KiT-Workshop mit allen 12FB 6 nach der jährlichen UnterweisungErgebnis und Maßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung
35 Beschäftigte, drei Tätigkeitsgruppen3 KiT-Workshops, je Gruppe einerFB 6 je UnterweisungsterminErgebnis je Tätigkeitsgruppe, Maßnahmen mit Termin
80 Beschäftigte, mehrere AbteilungenFGBU im Online-Tool, Rückspiegelung in WorkshopsFB 6, bei Bedarf FB 0 für neue BeschäftigteExport aus dem Tool, Maßnahmen in GEDOKU oder eigener Vorlage

Ob neben der psychischen Belastung noch andere Nachweise fehlen, die die VBG bei einer Besichtigung sehen will, zeigt der VBG-Risiko-Check in wenigen Minuten.

Was nach dem Fragebogen dokumentiert werden muss

Ein ausgefüllter Fragebogen ist noch keine Gefährdungsbeurteilung. Nach § 6 ArbSchG muss die Dokumentation das Ergebnis der Beurteilung, die festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung enthalten. Die Aufsichtsperson der VBG fragt deshalb nicht nach den Antworten, sondern nach den Maßnahmen, die daraus folgen.

  1. Ergebnis je Tätigkeit bewerten. Die Auswertung nach Tätigkeitsgruppen lesen und festhalten, welche Merkmale auffällig sind und welche nicht. Auffällig heißt Handlungsbedarf, nicht Schuldfrage.
  2. Maßnahmen festlegen. Für jeden auffälligen Punkt eine konkrete Maßnahme mit verantwortlicher Person und Termin notieren. Vorrang haben Änderungen an der Arbeit selbst, nicht Appelle an die Beschäftigten.
  3. In die Gefährdungsbeurteilung übernehmen. Ergebnis und Maßnahmen in dieselbe Dokumentation schreiben wie die übrigen Gefährdungen, nicht als lose Anlage ablegen.
  4. Beschäftigte informieren. Die zusammengefassten Ergebnisse und die geplanten Maßnahmen zurückspielen, ohne Auswertungen kleiner Gruppen offenzulegen.
  5. Wirksamkeit prüfen. Einen Termin setzen, an dem geprüft wird, ob die Maßnahmen gewirkt haben, und dafür bei Bedarf dieselbe Befragung wiederholen.

Für die Ablage bietet die VBG die kostenlose Software GEDOKU an, eine Offline-Anwendung für Windows mit einem Grundkatalog „Bildschirm- und Büroarbeit“ und Musterunternehmen. Wer schon eine andere Vorlage nutzt, braucht GEDOKU nicht: Entscheidend ist, dass Ergebnis, Maßnahmen und Überprüfung an einer Stelle stehen.

Was ein Fragebogen nicht leistet

Ein Fragebogen erhebt Daten, er bewertet sie nicht und setzt keine Maßnahmen um. Die Auswahl des Verfahrens, die Auswertung und die Ableitung von Maßnahmen verlangen Fachkunde, und genau dafür ist nach ASiG und DGUV Vorschrift 2 die Fachkraft für Arbeitssicherheit da, gemeinsam mit dem Betriebsarzt.

Der häufigste Fehler ist eine Befragung ohne anschließende Maßnahmen. Besteht ein Betriebs- oder Personalrat, ist er vor der Erhebung zu beteiligen, nicht danach.

Safety Club bringt für Büro- und Verwaltungsbetriebe eine Fachkraft für Arbeitssicherheit vor Ort plus digitale, prüfungssichere Dokumentation zusammen, in der auch das Ergebnis der psychischen Gefährdungsbeurteilung seinen Platz hat. Wer wissen will, welches Verfahren für das eigene Büro passt, kann kurz Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche Einzelfallberatung. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Fassungen der genannten Vorschriften und Fragebögen sowie die Auslegung Ihres zuständigen Unfallversicherungsträgers.

Häufige Fragen

Ist der VBG-Fragebogen Pflicht?

Nein. Pflicht ist nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG die Beurteilung der psychischen Belastung, nicht ein bestimmtes Werkzeug. Die Methode ist frei wählbar: Fragebogen, moderierter Workshop oder Beobachtung. Der Fragebogen der VBG ist ein kostenloses Angebot für Mitgliedsunternehmen, das die Pflicht erleichtert.

Was ist der FGBU der VBG?

FGBU steht für Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Er bildet die Gestaltungsmerkmale der GDA-Empfehlung ab, fragt zusätzlich Umgebungsfaktoren wie Lärm und Beleuchtung ab und arbeitet mit einer fünfstufigen Antwortskala. VBG-Mitglieder können ihn im kostenlosen Online-Tool oder schriftlich einsetzen.

Ab wie vielen Beschäftigten lohnt sich der Fragebogen?

Die VBG empfiehlt das Online-Tool für Unternehmen ab 51 Beschäftigten. Für Unternehmen bis 50 Beschäftigte empfiehlt sie stattdessen den Workshop Kurzanalyse im Team (KiT), weil eine anonyme Auswertung in kleinen Gruppen kaum möglich ist.

Die Berufsgenossenschaft hat mir einen Fragebogen geschickt. Muss ich ihn ausfüllen?

In aller Regel ja. Ein Fragebogen, den die Berufsgenossenschaft von sich aus schickt, ist meist ein Auskunftsersuchen zur Arbeitsschutzorganisation oder eine Abfrage nach einem Unfall, und Unternehmen sind nach dem SGB VII zur Auskunft verpflichtet. Frist notieren und sachlich antworten.

Ersetzt der Fragebogen FB 6 die Unterweisung?

Nein. Die VBG sagt selbst, dass die Fragebögen das persönliche Unterweisungsgespräch nicht ersetzen, sondern unterstützen. Sinnvoll ist der FB 6 als Wissenscheck vor oder nach der Unterweisung, mit Besprechung der falsch beantworteten Fragen.

Wo lege ich die Ergebnisse des Fragebogens ab?

In der Gefährdungsbeurteilung, zusammen mit den abgeleiteten Maßnahmen, Verantwortlichen und Terminen. Das Online-Tool der VBG exportiert die Ergebnisse als Excel oder PDF und lässt sich mit der kostenlosen VBG-Software GEDOKU verknüpfen.

Kann ich eigene Fragen ergänzen?

Ja. Im Online-Tool der VBG lassen sich bis zu zehn eigene Fragen anlegen, außerdem gibt es ein optionales Modul zum Homeoffice mit acht Aussagen.

Quellen

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