
Architekturbüros
Baustellenbesuche, Plotter und CAD-Arbeit: zwei Arbeitswelten in einer Gefährdungsbeurteilung.
Mehr erfahrenUnter dem Dach einer Kirche oder eines sozialen Trägers liegen Pfarrbüro, Beratungsstelle, Kita, Jugendhaus und Friedhof oft nebeneinander. Für den Arbeitsschutz sind das getrennte Bereiche mit eigenen Gefährdungen, häufig auch mit unterschiedlichen Unfallversicherungsträgern. Deshalb wird die Gefährdungsbeurteilung je Tätigkeitsbereich aufgebaut.

Wichtig: Die Verwaltung eines kirchlichen oder sozialen Trägers ist ein Bürobetrieb, Beratungsstellen, Einrichtungen und Gebäudeunterhalt sind es nicht. Die Betreuungsgruppe richtet sich nach dem Wirtschaftszweig, die Gefährdungen außerhalb des Büros gehen in die betriebsspezifische Betreuung ein. Je nach Bereich sind unterschiedliche Unfallversicherungsträger zuständig.
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Kirchliche und soziale Arbeit heißt, mit Menschen in Not, Krankheit oder Krise zu arbeiten. In Beratung, Betreuung und Seelsorge entstehen Gespräche, die Kraft kosten und gelegentlich eskalieren, oft ohne Kollegin oder Kollegen im Nebenraum. Dazu kommen Gebäude, die selten für Büroarbeit geplant wurden.
Für die Unfallversicherung kommt es auf den Zweck der jeweiligen Einrichtung an. Die VBG ist für Religionsgemeinschaften zuständig und damit für Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Bistümer samt Seelsorge, Jugendzentren und Besuchsdiensten. Einrichtungen mit wohlfahrtspflegerischem Zweck gehören zur BGW, auch wenn eine Kirchengemeinde sie trägt: Kitas, Ehe-, Familien- und Suchtberatung, Hospizdienste, Kleiderkammern. Für kirchliche Friedhöfe ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau zuständig. Ein einzelner Träger kann es so mit drei Unfallversicherungsträgern zu tun haben.
Bevor Sie die Betreuung organisieren, sollten Sie prüfen, was Landeskirche oder Bistum bereits geregelt haben. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern etwa deckt die betriebsärztliche Betreuung ihrer Gemeinden über einen Betreuungsvertrag ab. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat ein eigenes Kirchliches Arbeitsschutzgesetz mit Ortskräften für Arbeitssicherheit. Viele Bistümer haben zudem mit der BGW eine kirchliche Präventionsvereinbarung für Kitas und vergleichbare Einrichtungen geschlossen, die eine Kirchengemeinde direkt trägt. Wo es solche Strukturen gibt, ist als Erstes zu klären, welche Einrichtungen sie erfassen.
| Bereich | Zuständigkeit und Einordnung |
|---|---|
| Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Bistümer, Pfarrbüros | Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) |
| Seelsorge, Telefonseelsorge, Jugendzentren und Jugendclubs, Besuchsdienste | VBG, auch als unselbstständige Einrichtung einer Kirchengemeinde |
| Kitas, Beratungsdienste mit wohlfahrtspflegerischem Charakter, Hospizdienste, Kleiderkammern | Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), auch in kirchlicher Trägerschaft |
| Kirchliche Friedhöfe | Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) |
| Wirtschaftszweig und Betreuungsgruppe | WZ 94.9 Kirchliche Vereinigungen: III. WZ 88.99 Sonstiges Sozialwesen: III. Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WZ 88.10.2.2): II |
| Interessenvertretung bei kirchlichen Trägern | Mitarbeitervertretung statt Betriebsrat, weil das Betriebsverfassungsgesetz für Religionsgemeinschaften und ihre karitativen und erzieherischen Einrichtungen nicht gilt (§ 118 Abs. 2 BetrVG) |
| Ab dem ersten Beschäftigten | Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Erste-Hilfe-Organisation, Bestellung von Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt |
| Mehr als 20 Beschäftigte | Arbeitsschutzausschuss, Sitzung je Kalendervierteljahr (§ 11 ASiG) |
Welcher Unfallversicherungsträger für welchen Bereich zuständig ist, steht im jeweiligen Mitgliedsbescheid. Wer mehrere Bereiche betreibt, legt die Bescheide am besten nebeneinander, bevor die Gefährdungsbeurteilung aufgeteilt wird. Teilzeitkräfte zählen für die Schwelle von 20 anteilig: bis 20 Wochenstunden mit 0,5, bis 30 mit 0,75.
Ein Übergriff im Beratungsgespräch, der zu einer Verletzung oder einer psychischen Reaktion führt, kann ein Arbeitsunfall sein und ist dann wie jeder andere zu dokumentieren und gegebenenfalls anzuzeigen. Meldeweg und Fristen erklärt der Beitrag Arbeitsunfall im Büro: Meldung, Fristen und Dokumentation.
Der Verwaltungstrakt ist meist unauffällig. Auffällig werden die Einrichtungen und die Gebäude: Beratungsräume ohne zweiten Ausgang, Nebenräume und Dachböden als Lager, enge Treppen ohne durchgehenden Handlauf, Emporen und Türme ohne Absturzsicherung. Im Papier fehlt fast immer die Beurteilung der psychischen Belastung und ein dokumentierter Umgang mit Übergriffen.
Neben dem Bürostandard braucht es zwei Blöcke. Erstens Alleinarbeit und Hausbesuche: Abmeldung und Rückmeldung, Abbruchkriterien, Sicherung des eigenen Standorts. Zweitens der Umgang mit Übergriffen: Deeskalation, Meldeweg, Nachsorge und wer dafür Ansprechpartner ist. Für Ehrenamtliche gilt dasselbe wie für Beschäftigte, vor der ersten Tätigkeit.
Ehrenamtliche in öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften, etwa im Kirchenvorstand oder im Besuchsdienst, sind ohne eigene Anmeldung gesetzlich unfallversichert. Da DGUV Vorschrift 1 die Unterweisung aller Versicherten verlangt, sind auch sie zu unterweisen. Für Küster- und Hausmeisterdienste kommen eigene Themen dazu, etwa Leitern, der Glockenstuhl und Arbeiten auf der Empore.
Die Kirchengemeinde selbst ist bei der VBG versichert. Betreibt sie eine Einrichtung mit wohlfahrtspflegerischem Zweck, etwa eine Kita oder eine Suchtberatung, ist für diese Einrichtung die BGW zuständig. Für den kirchlichen Friedhof ist es die SVLFG. Verbindlich ist der Mitgliedsbescheid.
Zuerst ist zu klären, welche Einrichtungen die landeskirchliche Regelung erfasst und welche nicht. Die Verantwortung für Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und Erste-Hilfe-Organisation vor Ort bleibt beim Arbeitgeber, also bei der Gemeinde oder dem Träger. Für Einrichtungen in eigener Rechtsform, etwa einen diakonischen Verein, ist gesondert zu prüfen, ob die Regelung gilt.
Wie in jedem Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten: der Arbeitgeber oder eine beauftragte Person, der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und, sofern bestellt, Sicherheitsbeauftragte. Das Arbeitssicherheitsgesetz sieht dazu zwei Mitglieder des Betriebsrats vor. Weil das Betriebsverfassungsgesetz im kirchlichen Bereich nicht gilt, ist an ihrer Stelle üblicherweise die Mitarbeitervertretung beteiligt. Vorgeschrieben ist eine Sitzung je Kalendervierteljahr (§ 11 ASiG).

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